Vielfalt_bremsbelaege

Verwirrende Vielfalt der Bremsbeläge

Wenn die Bremsbeläge verschlissen sind, führt der Weg zum Autoteilehändler. Man legt den Fahrzeugschein auf den Tisch und will für sein Auto neue Bremsbeläge haben. In der Regel erhält man auch ohne weitere Fragen einen Satz Bremsbeläge des Herstellers, den der Autoteilehändler in seinem Programm hat. Oft sind es die Hersteller, die mit den besten Preisen und Konditionen locken. Dass der Kunde am Ende immer damit zufrieden ist, darf als eher unwahrscheinlich angesehen werden. Der Bremsenspezialist dagegen wartet mit einem ganzen Fragenkatalog auf. Doch ist das wirklich erforderlich?

Die Antwort lautet "Ja". Auch beim Autokauf müssen viele Fragen beantwortet werden, um aus den zahlreichen Marken, Modellen, Motorvarianten und Ausstattungsdetails das individuell passende Fahrzeug zu ermitteln. Es macht wenig Sinn eine Stretchlimousine für die täglichen Einkaufsfahrten zu kaufen oder zu versuchen mit einem 34-PS starken Stadtwagen seinen tonnenschweren Wohnwagen zu ziehen. Mit der Bremse verhält es sich genauso. Der komfortverwöhnte Langstreckenfahrer benötigt andere Bremsbeläge, als der Stadtkurierfahrer, und dass der sportlich motivierte Freizeitrennfahrer mit beiden nichts anzufangen weiß, dürfte somit auf der Hand liegen.

ATE Ceramic Bremsbeläge

ATE Ceramic Bremsbeläge

Fahrzeugspezifische Bremse

Bei der Entwicklung neuer Modelle arbeitet die Autoindustrie mit den Zulieferfirmen Hand in Hand. Damit das neue Fahrzeugmodell nicht nur gut fährt, sondern auch gut bremst, werden Bremssättel, Bremsscheiben und Bremsbeläge speziell für dieses Auto entwickelt. Dass dabei bei einer gepanzerten Mercedes S-Klasse, die erst bei 250 Km/h elektronisch abriegelt eine andere Belagmischung auf die Trägerplatte aufgebracht werden muss, als beispielsweise bei einem Smart, versteht sich von selbst. Gewisse Eckpunkte wie Fahrzeuggewicht, Höchstgeschwindigkeit und damit die erforderliche Bremskraft stehen dadurch fest und müssen auch bei den Nachrüstbelägen berücksichtigt werden. Alle anderen Aspekte werden bei den Originalbremsbelägen auf den durchschnittlichen Nutzer des Fahrzeugtyps abgestimmt und stellen daher für den individuellen Fahrer immer nur einen Kompromiss dar.

Neue Standards - neue Rezepturen

Ferodo Eco-Friction Bremsbeläge

Ferodo Eco-Friction Bremsbeläge

Nicht nur wegen der ständigen Entwicklung neuer Fahrzeugmodelle müssen die Ingenieure permanent an neuen Rezepturen arbeiten. Vor etwa 25 Jahren wurde die Verarbeitung von Asbest verboten. Die Umstellung auf asbestfreie Bremsbeläge ging damals relativ schnell, da die semimetallischen Beläge bereits patentiert waren und in den USA mit einem geringen Asbestanteil auskamen. Der vollständige Verzicht auf Asbest war nur noch ein kleiner Schritt. Ein neues Gesetz soll nun den Kupferanteil regeln. Um die gesetzlichen Vorgaben zu übertreffen, fordern Automobilkonzerne künftig kupferfreie Bremsbeläge. Kupfer wird derzeit verwendet, um Wärme besser abzuleiten und um ein Rubbeln und Quietschen der Bremse zu vermeiden. Während TRW mit Belägen der Marke Lucas bereits vor mehr als zehn Jahren mit der Produktion von Belagmischungen ohne Beigabe von Kupfer begann und damit als erster die EU-Richtlinie ECE-R90 umsetzte, bekam der Bremsbelaghersteller TMD-Friction im Jahre 2013 als Erster die OE-Freigabe für seine kupferfreie Rezeptur bei der Erstausstattung eines deutschen Hochleistungsfahrzeugs. Andere Bremsbelaghersteller folgten. So stellten beispielsweise auch Bosch und Federal-Mogul (Ferodo Eco-Friction) auf der Automechanika 2014 kupferfreie Bremsbeläge vor.

Sicherheit geht vor

Dixcel Premium Bremsbeläge

Dixcel Premium Bremsbeläge

Vorab sei zu erwähnen, dass alle auf dem Markt befindlichen Bremsbeläge nach der Norm ECE-R90 zertifiziert sein müssen. Diese Norm gilt nicht nur für den deutschen Markt, sondern seit dem 1.April 2001 für die gesamte EU. Die Norm sieht vor, dass die im freien Ersatzteilmarkt erhältlichen Bremsbeläge maximal 15% nach oben oder unten von der Leistung der Originalbeläge abweichen dürfen. Sicherheit und konstante Qualität können damit bei allen nachgerüsteten Bremsbelägen garantiert werden. Aber was ist "sicher"? Die Norm beschränkt sich auf den Reibwert eines Belages. Ob dieser Wert erst unter Bedingungen wie bei der Formel 1 oder bei alltagsüblichen Temperaturen erreicht wird und wie lange sich dieser Wert konstant halten lässt, ist in der Norm genauso wenig festgelegt, wie die Komfortaspekte Geräuschbildung, Hochgeschwindigkeitsrubbeln, Pedalgefühl etc. oder wirtschaftliche Aspekte wie Verschleiß. Bei vielen Unfällen wäre ein um wenige Meter kürzerer Bremsweg ausreichend gewesen, den Unfall zu verhindern. Wenn ein vermeintlich günstiger Bremsbelag nach einer Passfahrt mit Dauerbremsen den Reibwert nicht mehr halten kann und plötzlich ein Kind vor das Auto läuft; wie sicher ist dieser Bremsbelag mit -15% ECE-R90-Toleranz dann noch? Todsicher? Nichts spricht gegen preiswerte Bremsbeläge, doch billige Bremsbeläge haben auf der Bremse nichts zu suchen. Aus den preiswerten Belägen die billigen Bremsbeläge herauszusondieren ist durch die Norm ECE-R90 nicht einfacher geworden. Ein Beratungsgespräch mit einem kompetenten Fachmann ist dabei hilfreich.

Individuelle Belagwahl

Endless Bremsbeläge

Endless Bremsbeläge

So wie man sich beim Auto entscheiden muss, ob man in einer Luxuslimousine bei Tempo 200 unterwegs sein möchte, oder ob man ein extrem sparsames Auto haben will, müssen auch bei der Wahl des Bremsbelages Schwerpunkte gesetzt werden. Einen Bremsbelag, der alles kann, den gibt es leider nicht. Um die Bremse mit den optimalen Bremsbelägen zu bestücken, gilt es zunächst festzulegen, welche Reibmaterialfamilie für den eigenen Bedarf am geeignetsten ist. Hierzu gehören unter anderem die folgenden Gruppen:

- Semi-metallic

Diese verhältnismäßig preiswerten Beläge enthalten mit etwa 30-65% einen hohen Metallanteil. Zur Verwendung kommen dabei unter anderem Stahl, Kupfer, Messing und Eisen. Zu den Vorzügen dieser Reibmaterialfamilie gehören die Langlebigkeit und das gute Heißbremsverhalten. Die hohe Bremsstaubabsonderung und die Neigung zum Quietschen steht bei den semimetallischen Belägen genauso auf der Negativseite, wie der erhöhte Bremsscheibenverschleiß.

- Organic

Die Reibmittel dieser Kategorie werden auch als Non Asbestos Organic, kurz NAO, bezeichnet. Diese Beläge sind weicher und leiser, als die semi-metallic. Auch der Bremsscheibenverschleiß und die Bremsstaubbildung sind deutlich geringer. Bei hoher thermischer Belastung nutzen sie jedoch schneller ab und entwickeln ein schlechteres Reibwertverhalten.

- Low-metallic

Mit nur 10-30% Metallanteil, überwiegend Kupfer oder Stahl, haben sie ein sehr gutes Heißbremsverhalten bei hohen Geschwindigkeiten, welches mit hoher Bremsstaubabsonderung und Quietschneigung erkauft wird.

- Ceramic

Bei Ceramic-Belägen kommen keramische Fasern zum Einsatz, was jedoch nicht bedeutet, dass nicht auch geringe Mengen an Metall eingemischt werden. Die recht teuren Beläge zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie besonders leise sind. In Sachen Bremsscheibenverschleiß dagegen sind sie weniger zimperlich.

Prioritäten setzen

Leistungstabelle Bremsbeläge

Leistungstabelle Bremsbeläge

In welchem Maße die genannten positiven und negativen Eigenschaften zum Tragen kommen, ist abhängig von dem Mischungsverhältnis (Rezeptur) der einzelnen Hersteller. Damit ist die Wahl der Reibmaterialfamilie nur der erste Schritt zum richtigen Bremsbelag. Aus ihr muss nun der Hersteller herausgefunden werden, der mit seiner Rezeptur den eigenen Prioritäten am ehesten entspricht. Ein für die meisten Autofahrer unlösbares Problem, das mit dem Fahrzeugschein alleine nicht zu lösen ist. Hilfe bei diesem Problem verspricht die Kundenhotline von Bremsen-Heinz, die telefonisch unter 0208/69879220 oder per Kontaktformular zu erreichen ist. Damit die Bremsenspezialisten die richtige Auswahl treffen können, sind die Eigenschaften Geräuschentwicklung (Quietschen), konstantes Pedalgefühl, Ansprechverhalten, Dosierbarkeit, Verschleiß Belag, Verschleiß Bremsscheiben, Bremsstaubentwicklung und Korrosionsverhalten der Priorität nach zu ordnen, sowie die folgenden Fragen im Vorfeld zu beantworten.

- Nutzungszeitraum

Wird das Fahrzeug mit Saisonkennzeichen nur in den Sommer- bzw. Wintermonaten, oder das ganze Jahr über gleichmäßig genutzt? Auch bei ganzjähriger Nutzung ist die Frage, ob das Auto regelmäßig bewegt wird, oder ob es längere Standzeiten hat, in denen die Bremsscheiben korrodieren und anschließend sauber gebremst werden müssen.

- Fahrstrecken

Je nach Einsatzgebiet sind auch die Anforderungen an die Bremsbeläge unterschiedlich. So ist zu überlegen, ob das Auto vorwiegend für Pendelfahrten mit häufigem Stop-and-go- und Stadtverkehr, für Langstrecken auf der Autobahn oder im Motorsport eingesetzt wird. Im Falle des Motorsports müsste noch differenziert werden zwischen Grand-Prix-Schleife, Bergrennen, Rallye oder Langstreckenrennen.

- Beladung

Die Frage, wie groß die bewegte Masse ist, die gebremst werden muss, richtet sich nach dem Grad der Beladung. Wird also nur ein Getränkekasten und eine Einkaufstüte geladen oder soll das Auto vollgeladen werden. Auch die Anhängelast ist ein Kriterium, welches zu berücksichtigen ist. Hat der Wagen überhaupt keine Anhängerkupplung, wird nur ein leichter Anhänger gezogen oder muss ein großer Wohnwagen, Pferdeanhänger o.Ä. bewegt werden?

- Fahrstil

Die letzte Frage betrifft den Fahrstil und das Getriebe. Bist Du mehr der defensive Bremser, der lange vor der roten Ampel bereits das Gas wegnimmt und herunterschaltet, oder der zwar defensive Bremser, der nicht herunterschalten kann, da das Automatikgetriebe ohne Tiptronic dies nicht zulässt? Oder bist Du eher der sportliche bis aggressive Fahrer, der rasant auf eine Kurve, Ausfahrt oder Ähnliches zufährt und erst kurz davor bremst?

Fazit

Bei der Masse an Aspekten, die bei der Wahl des richtigen Bremsbelags zu berücksichtigen sind, finden selbst Werkstattmeister wohl einen guten, selten aber den idealen Bremsbelag. Es ist daher keine Schande, sondern vielmehr ein weiser Entschluss, sich durch die Bremsenprofis von Bremsen-Heinz beraten zu lassen.

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Verwirrende Vielfalt der Bremsbeläge geschrieben von Maik average rating 3.4/5 - 16 Besucherbewertungen