Porsche Cayman

Downsizing nun auch bei Porsche

“Hubraum ist nur durch noch mehr Hubraum zu ersetzen” hieß es bis vor einigen Jahren. Doch dieser Trend scheint sich dem Ende zu zuneigen. Um die strengen Abgasvorschriften einhalten zu können und ein neues Kundenklientel zu erreichen, stecken die Hersteller deutscher Premium-Fahrzeuge mittlerweile jedes Jahr Milliarden an Euro in die Entwicklung kleinerer Motoren.

Porsche 919 Hybrid - Foto: Porsche

Porsche 919 Hybrid - Foto: Porsche

Selbst Porsche kann sich dieser Entwicklung nun nicht mehr entziehen und arbeitet seit Jahren an einer neuen Motorengeneration mit weniger Hubraum und nur noch vier Zylindern. Damit die Sportwagen trotzdem über genügend Schub verfügen, werden die neuen Motoren für Boxter und Cayman via Turbo aufgeladen. Konstruktiv sind die neuen Motoren an das Triebwerk des Porsche 919 Hybrid angelehnt, der in dieser Saison z.B. beim 24-Stunden Rennen in Le Mans an den Start gehen wird. Der turboaufgeladene 500 PS Vierzylinder Bolide kann beim Beschleunigen allerdings auch noch auf zusätzliche 250 Elektro-PS zurückgreifen.

Der Wolf im Schafspelz

Porsche Boxter - Foto: Porsche

Porsche Boxter - Foto: Porsche

Von dieser Leistungsentfaltung können die Fahrer der Serienvarianten allerdings nur träumen. Die Spitzenmodelle der kommenden Cayman- und Boxter-Reihe werden sich mit 350-400 PS “begnügen” müssen. Dies ist bei nur 2 Litern Hubraum aber trotzdem eine beachtliche Leistung, für die die Ingenieure von Porsche ein wenig in die Trickkiste gegriffen haben. Zwar handelt es sich bei den neuen Motoren grundsätzlich noch um V-Motoren, doch beträgt der Winkel zwischen den vier Zylindern nun nicht mehr 90 sondern 180 Grad. Quasi ein V-Motor im Boxer-Gewand bei dem sich jeweils zwei der vier Brennkammern flach gegenüber liegen. Für die entsprechende Leistungsentfaltung sollen dann noch die Direkteinspritzung und ein Turbo sorgen.

Die Verbrauchswerte des Triebwerks könnten durch diese Maßnahmen nochmals gesenkt werden und im Normzyklus womöglich unter sieben Litern liegen. Damit wären sie nochmals einen Liter sparsamer als die aktuellen, für diese Fahrzeugklasse schon recht sparsamen Motoren. Auch der nicht zu vernachlässigende Gewichtsvorteil des 4-Zylinders dürfte sich in puncto Fahrdynamik positiv auswirken.

Leistungsstarkes Zylinder-Quartett

Mercedes-Benz-CLA AMG - Foto: Daimler AG

Mercedes-Benz-CLA AMG - Foto: Daimler AG

Doch Porsche ist wahrlich nicht der erste Hersteller, der das Downsizing für sich entdeckt hat. Viele andere Premium-Hersteller setzen bereits seit einiger Zeit auf kleinere Motoren mit weniger Zylindern. Mercedes z.B. rüstet die neue Fronttriebler-Plattform der A-, B-, CLA und GLA-Klasse schon konsequent mit 4-Zylinder Motoren aus. Selbst der kommende CLA Shooting Brake und die AMG-Topmodelle mit 360 PS müssen sich mit maximal 2 Litern Hubraum und vier Zylindern begnügen.

Aber es gibt Hersteller die noch einen Schritt weiter gehen. BMW verbaut in dem ab Herbst verfügbaren 2er Active Tourer Van turboaufgeladene Motoren mit nur noch 3 Zylindern. Bei Mini sind 3-Zylinder Triebwerke seit dem letzten Generationswechsel hingegen schon fast Alltag. Allerdings gibt es hier auch noch ein paar Ausnahmen. Das Spitzenmodell Cooper S und die bald erscheinenden John-Cooper-Works Sportmodelle werden weiterhin mit vier Zylindern befeuert.
Und man sollte es nicht glauben - selbst große Fahrzeuge der 5er-Reihe inklusive dem X5 haben zwei bis vier Zylinder eingebüßt und laufen mittlerweile auf 4 Töpfen.

Back to the roots?

Audi TT quattro sport concept - Foto: Audi-Mediaservices

Audi TT quattro sport concept - Foto: Audi-Mediaservices

Auch Audi und Volvo können sich dieser Entwicklung nicht verwehren und setzen zunehmend auf das Zylinder-Quartett. Die auf dem Genfer Autosalon vorgestellte TT quattro sport concept-Studie sorgte für erstaunte Gesichter. Während beim aktuellen Audi TT RS noch 5 Zylinder mit 2,5 Litern und Turbo Trumpf sind, wird dem aus der Studie entstehenden TT RS Modell einer der fünf Zylinder nebst seinem Hubraum fehlen und somit mit einem turboaufgeladenen 2-Liter Vierzylinder Motor ausgestattet sein.

Volvo geht ähnliche Wege und verbaut in seinen Fahrzeugen nun statt den bekannten 5- oder 6-Zylinder-Motoren immer mehr Vierzylinder.

Ford Mustang 2015 - Foto: Ford

Ford Mustang 2015 - Foto: Ford

Und wer meint das Downsizing macht vor amerikanischen “Muscle-Cars” halt, der irrt. Auch der Ford Mustang wird in der erstmals offiziell in Europa erhältlichen 2015er Version neben einem standesgemäßen 5-Liter-V8 mit einem weniger als halb so großen 2,3-Liter Ford EcoBoost Vierzylinder Turbomotor zu haben sein. Ob die immer noch starken 310PS dieses Aggregats das Fehlen des V8-Sounds wett machen, bleibt allerdings dahingestellt.

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Doch prinzipiell sind Vierzylinder-Triebwerke für Ford und Porsche ja nichts neues. Diese kamen nämlich auch schon in früheren Modellen der beiden Hersteller zum Einsatz - allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Man erinnere sich hier z.B. an die zweite und dritte Generation des Mustangs oder die frühen Modelle von Porsche wie den 914, 924, 944 und den 968. Damals war Downsizing noch fast ein Ausdruck von Schwäche. Heutzutage sieht das natürlich etwas anders aus. Auf Grund steigender Spritpreise und zunehmend ökologischem Denken der neuen Käufergruppen, können Hersteller wie Mercedes, BMW & Co ihren Absatz in diesem Fahrzeugsegment kontinuierlich steigern. Hubraum ist mittlerweile anscheinend doch nicht mehr nur durch noch mehr Hubraum zu ersetzen - Gewinne kann man auch mit Downsizing generieren. Auch wenn wir diese Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten - Sinn macht sie am Ende schon...

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Downsizing nun auch bei Porsche geschrieben von Maik average rating 5/5 - 1 Besucherbewertungen