Definition Bremsanlage

Jeder Autofahrer kennt den Vorgang des Bremsens. Man tritt auf das Bremspedal und die Bremsanlage verrichtet die Arbeit. Doch welche Komponenten genau gehören zu einer solchen Anlage und was sind die einzelnen Aufgaben innerhalb dieses technischen Systems? Damit beschäftigen wir uns im Folgenden und geben Ihnen einen kurzen, aber knackigen Überblick, damit Sie Ihr Auto und im besonderen die Bremse auch besser kennen lernen.

Die einzelnen Komponenten einer Bremsanlage

Bremskraftverstärker

Beginnen wir mit dem Bremspedal, welches sich links neben dem Gaspedal befindet. Dies ist im Normalfall die einzige Komponente mit der Sie sich als Fahrer beschäftigen müssen. Doch auf dem Weg bis zur eigentlichen Bremse gibt es noch einige wichtige Bauteile, die man als Fahrer nur selten zu Gesicht bekommt. Nehmen wir den Bremskraftverstärker mit dem Hauptbremszylinder, welcher sich als nächstes Bauteil an das Bremspedal anknüpft. Dieser Bremskraftverstärker vervielfältigt die per Pedal aufgebrachte Kraft und sorgt dafür, dass Sie als Autofahrer ihren Wagen nicht nur mit kompletten Krafteinsatz zum Stillstand bringen, sondern die Bremse wohl dosiert betätigen können. Vom Hauptbremszylinder führen Bremsleitungen und Bremsschläuche den Bremsdruck, der über die Bremsflüssigkeit transportiert wird, bis zum Bremssattel. Hier verrichten die Bremsbeläge, Bremsscheiben und bei manchen Kfz die Trommelbremsen dann ihre verzögernde Arbeit. Die Rotation der Felge und der Reifen wird durch Reibung zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe vermindert und das Fahrzeug dadurch abgebremst und zum Stillstand gebracht.

Die Bremsscheiben sind, einfach gesagt, Metallscheiben die zusammen mit der Felge auf den Bolzen des Radträgers verschraubt sind. Es gibt sie in unzähligen unterschiedlichen Durchmessern, Dicken und Oberflächen-Ausführungen - z.B. glatt, gelocht und geschlitzt. Grundlegend unterscheidet man allerdings nur die massiven und die belüfteten Varianten. Bei letzteren befindet sich zwischen innerer und äußerer Bremsfläche ein Lüftungsschlitz, durch den Luft die beim Bremsen entstehende Wärme effektiv ableitet.

Tarox Bremsscheiben

Tarox Bremsscheiben

Bremsbeläge sind die Reibpartner der Bremsscheiben und bestehen aus unterschiedlichsten organischen und anorganischen Materialien. Sie werden von den Bremskolben, welche sich in den Bremssätteln befinden, gegen die Bremsscheiben gedrückt. Je nach Mischungsverhältnis bremsen manche erst gut bei Temperaturen über 300 Grad und andere besser wenn Sie kalt sind. Im Serien-Bereich werden hauptsächlich letztere verbaut, da der “normale” Fahrer die hohen Temperaturen selten bis gar nicht erreichen wird.

Tarox Bremsbeläge

Tarox Bremsbeläge

Als druckübertragendes Medium im Bremssystem dient die Bremsflüssigkeit. Diese muss nicht nur in ausreichender Menge vorhanden, sondern sollte auch nicht älter als zwei Jahre sein. Da sie hygroskopisch ist und dadurch Luftfeuchtigkeit, welche durch das Gummi der Bremsschläuche in die Bremsflüssigkeit diffundiert bindet, sollte sie spätestens alle zwei Jahre überprüft und am besten gewechselt werden. Bremsflüssigkeit mit zu hohem Wasseranteil neigt bei höheren Temperaturen zur Dampfblasenbildung. Diese Dampfblasen sind im Gegensatz zur Bremsflüssigkeit komprimierbar, wodurch der Bremsdruck nicht mehr am Bremskolben ankommt und das Bremspedal durchsackt. Außerdem begünstigt eine solche “nasse” Bremsflüssigkeit die Korrosion an dem Bremskolben, wenn das Fahrzeug z.B. länger stillgelegt wird.

ATE Bremsflüssigkeit

ATE Bremsflüssigkeit

Was wird Ihnen im Teilehandel verkauft?

Wenn man als "Hobbyschrauber" in ein Fachgeschäft geht und eine “komplette Sport-Bremsanlage” für die Vorderachse kaufen will, bekommt man in der Regel folgende Komponenten ausgehändigt:

Tarox Bremsanlage

Tarox Bremsanlage

  • 2 Bremssättel
  • 2 Bremsscheiben
  • 4 Bremsbeläge
  • 2 Stahlflex-Bremsschläuche
  • das Befestigungsmaterial
  • evtl. Bremsflüssigkeit

Die Bremsschläuche sind häufig Stahlflex-Bremsschläuche, die Sie vom Aussehen her eventuell auch von Ihren Armatur-Schläuchen in der Küche oder im Bad kennen. Der Vorteil dieser Stahlflex-Schläuche liegt im verwendeten Material. Sie werden im Gegensatz zu normalen Bremsschläuchen nicht porös, quellen nicht zu und unterliegen so gut wie keiner Alterung. Luftfeuchtigkeit kann also nicht in die Bremsflüssigkeit diffundieren, was zu einer längeren Einsatzdauer selbiger führt. Durch das für die Ummantelung verwendete Edelstahl-Geflecht, sind Stahlflex-Bremsschläuche sehr gut vor äußeren Einflüssen wie Steinschlag und Marderbiss geschützt und weiten sich nicht unter Belastung, was für einen exakteren Druckpunkt der Bremse und dadurch präziseres Bremsen sorgt.

Evolity Stahlflex-Bremsleitung

Evolity Stahlflex-Bremsleitung

An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis: Genauso wie bei der Montage von Bremsscheiben und Bremsbelägen muss man bei der Montage von Stahlflex-Bremsschläuchen äußerste Sorgfalt walten lassen. Die komplette Bremsanlage muss fachgerecht entlüftet werden, denn Luftblasen sind genauso komprimierbar wie Dampfblasen. Der negative Effekt einer schlecht entlüfteten Bremse ist der selbe wie bei heißer Bremsflüssigkeit mit zu hohem Wasseranteil. Im schlimmsten Fall können Sie das Bremspedal bis zum Bodenblech durchtreten ohne dass die Bremse anspricht.

Worin unterscheiden sich Serien- und Sportbremsanlagen?

Serien-Bremsanlagen sind für den “normalen” Autofahrer konzipiert, so es diesen überhaupt gibt. Sie müssen ein recht weites Spektrum an Bremsgewohnheiten abdecken - kommen bei Extrembelastungen, die außerhalb dieser Norm liegen, aber oft an ihre Grenzen. Denn nicht alles, was auf der Landstraße oder in der Stadt funktioniert, hält auch den Belastungen auf einer Rennstrecke stand. Eine Serien-Bremsanlage kann durch ihre Konzeptionierung als “guter Mittelweg” zwar viele verschiedene Fahr- und Bremsstile abbilden, aber z.B. der sportlichere Fahrer wird beim Einsatz einer Serien-Bremsanlage immer Kompromisse eingehen müssen.

Sind diese Kompromisse zu groß und gefährden nicht nur den Fahrspaß sondern auch die Sicherheit, führt der Weg kaum an einer individuell auf den jeweiligen Einsatzzweck und die eigenen Bremsgewohnheiten abgestimmten Sport-Bremsanlage vorbei. Durch den Einsatz einer auf das Fahr- und Bremsverhalten des jeweiligen Fahrers angepassten Bremsanlage steigt dann nicht nur die Sicherheit in brenzligen Momenten - auch der Fahrspaß steigt dadurch immens.

Mehr Kolben?

Tarox 16-Kolben Bremssattel

Tarox 16-Kolben Bremssattel

Bei Sport-Bremsanlagen kann sehr häufig beobachtet werden, dass die Anzahl der Kolben und die Größe der Bremssättel erhöht wird. Während bei der Serien-Ausstattung oft “nur” mit vier Kolben pro Sattel auskommen muss, warten die Sportausführungen sehr schnell mit bis zu sechzehn Kolben pro Bremssattel auf. Dies verteilt den Bremsdruck gleichmäßiger auf die Trägerplatte der Bremsbeläge und durch die größere Gesamtoberfläche der Kolben wird der Sattel effektiver gekühlt. Generell wird im sportlichen Bereich viel mehr darauf geachtet, dass genügend Kühlluft gezielt an die Bremse kommt und diese nicht überhitzt, um das gefürchtete Fading zu minimieren.

Fazit

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass man mit so gut wie jeder Serien-Bremsanlage Kompromisse eingehen muss, da sie auf eine sehr breite Zielgruppe ausgelegt ist. Mit einer auf die eigenen Bedürfnisse angepassten Sport-Bremsanlage kann man die Bremsleistung seinem eigenen Fahrstil anpassen und für deutlich mehr Sicherheit in Extremsituationen sorgen. Dass dabei auch der Fahrspaß gesteigert werden kann, ist ein angenehmer Nebeneffekt.

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