Audi A1 Technik

Das Fahrwerk des Audi A1

Die grundlegende Problematik bei der Fahrwerksabstimmung eines Kleinwagens ist bekannt: Klein- und Kompaktfahrzeuge sind häufig entweder komfortabel gefedert und auf ein gutmütiges Untersteuern in schnell gefahrenen Kurven ausgelegt – oder aber sportlich hart und in schnellen Kurvenpassagen mit nur wenig Bewegung um die Längsachse (Wankbewegung) abgestimmt. Hinzu kommt, dass Kleinfahrzeuge durch ihren vergleichsweise kurzen Radstand und meist auch durch einen geringen Nachlaufwinkel bei zunehmender Geschwindigkeit instabil werden. Das bei einem Kleinwagen ungünstige Verhältnis von Leergewicht und zulässigem Gesamtgewicht soll hier außen vor bleiben.

Audi A1 Fahrwerk

Audi A1 Fahrwerk

Bei den vorgenommenen Testfahrten zeigte sich die Fahrwerksabstimmung des A1 als gelungener Kompromiss. Enge Kurven konnten ohne Korrektur, also mit hoher Lenkwinkeltreue, durchfahren werden; selbst in schnellen Links/Rechts-Passagen wurde der Wagen nicht nervös und blieb neutral. Auffällig war die sehr geringe Bewegung um die Längsachse, außerdem das Fehlen des für Fronttriebler typischen Schiebens über die Vorderachse (Untersteuertendenz). Dabei wirkte die Federung straff, ohne unkomfortabel zu sein.

ESP mit elektronischer Quersperre

Audi A1 ESP mit elektronischer Quersperre

Audi A1 ESP mit elektronischer Quersperre

Ein gewichtiger Grund für die gute Kurvenlage liegt im serienmäßigen ESP mit elektronischer Quersperre. Das System wirkt dabei fast wie ein mechanisches Sperrdifferenzial, das die Kraft auf beide angetriebenen Räder verteilt. Sobald bei schneller Kurvenfahrt das kurveninnere Vorderrad stark entlastet wird, veranlasst das ESP-Steuergerät dort einen gezielten Bremseneingriff. Damit bewirkt es, dass durch den (eine höhere Straßenhaftung simulierenden) Bremsimpuls mehr Antriebsmoment über das Differenzial auf das kurvenäußere Rad fließt, das dadurch mehr Kraft auf die Straße bringt.

Ein zweiter Effekt kommt hinzu, denn zugleich wird durch den Bremseingriff ein Giermoment (Moment um die Hochachse) erzeugt, das den A1 in die Kurve einlenken lässt. Dieses Giermoment wirkt dem für Fronttriebler typischen Schieben über die Vorderachse (Untersteuern) entgegen und lässt den A1 schnelle Kurven neutraler und ohne Lenkkorrekturen durcheilen.

Der große Vorteil des eingebauten ESP mit elektronischer Quersperre gegenüber einem mechanischen Sperrdifferential liegt im Herstellungspreis, denn das simulierte Sperrdifferential benötigt keine weiteren mechanischen Komponenten jenseits des ESP. Der Nachteil ist vor allem darin zu sehen, dass die Regelung über den Eingriff der Bremse erfolgt. Für den sportlich ambitionierten Fahrer wird es so zu einer durchaus sinnvollen Ergänzung, für den professionellen Renneinsatz taugt das ESP mit elektronischer Quersperre aber nicht.

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